EWMD - Germany

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9/6/2026
12:00:00 - 13:00:00 CET
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Online Meeting
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Liebe EWMD Mitglieder, liebe Gäste, liebe Interessierte, 

die Debatte über Rente, längeres Arbeiten, Eigenvorsorge und Aktien fällt in eine Zeit, in der nahezu alle sozialen Sicherungssysteme unter Druck stehen. Rente, Pflege und Krankenkassen verzeichnen strukturelle Defizite, während die Politik an der Schuldenbremse festhält. Die demografische Entwicklung verschärft die Lage: Immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr Rentnerinnen und Rentner – Altersarmut betrifft besonders Frauen. 

Parallel wächst die Zahl der Menschen, die von Vermögenserträgen leben. Fratzscher (DIW) spricht von einer „Gesellschaft der Privatiers“: Über 800.000 Menschen leben allein von Kapitalerträgen. Das stärkt Vermögenskonzentration, schwächt Arbeitskraft und reduziert staatliche Handlungsspielräume. 

Gleichzeitig zeigt die FAZ, dass Vermögensaufbau heute breiter möglich wäre: ETFs, niedrige Gebühren und Sparpläne ab 50 Euro öffnen den Kapitalmarkt. Doch rund 80 Prozent der Bevölkerung besitzen weder Aktien noch Fonds. Gründe sind Unsicherheit, fehlendes Wissen und ein tiefes Vertrauen in den Staat – obwohl klar ist, dass die umlagefinanzierte Rente allein nicht mehr trägt. Zugleich verlieren viele Menschen Industriearbeitsplätze, Energiepreise steigen, und die wirtschaftliche Basis Deutschlands erodiert. Gerade jetzt wäre Eigenvorsorge wichtig, doch finanzielle Belastungen verhindern den Einstieg. 

Politische Antworten bleiben halbherzig: Eine höhere Besteuerung Kinderloser wirkt symbolisch, das geplante Aktienvorsorgedepot ab 2027 ist mit zehn Euro pro Kind kaum wirksam. Statt einfacher Maßnahmen wie einem höheren Sparerfreibetrag setzt die Politik auf komplexe Produkte, die wenig Vertrauen schaffen. Die zentrale Frage bleibt ungelöst: Wie stabilisiert man ein Rentensystem, das auf einer Bevölkerungsstruktur basiert, die es nicht mehr gibt? 

Der Kern des Problems ist ein Dreiklang aus Demografie, Vermögensungleichheit und fehlender finanzieller Bildung. Während die einen höhere Vermögenssteuern fordern, betonen andere Eigenverantwortung und Kapitalmarktchancen. Beide Perspektiven zeigen: Es braucht ein neues Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Freiheit. 

Ein Thema wird jedoch kaum diskutiert: die Erbschaftssteuer. Historiker Marc Buggeln zeigt, dass Deutschland eine der höchsten Vermögensungleichheiten weltweit hat, während große Erbschaften – besonders Unternehmensvermögen – kaum besteuert werden. Von 2009 bis 2020 wurden 429 Milliarden Euro steuerfrei übertragen. Ohne wirksame Vermögens- oder Erbschaftssteuern fehlen strukturell Einnahmen für Renten, Infrastruktur und Daseinsvorsorge. 

Für unseren Lunchtalk ergibt sich daraus ein Spannungsbogen zwischen staatlicher Verantwortung und individueller Vorsorge, zwischen Gerechtigkeit und Freiheit. Die Frage ist nicht mehr, ob wir das System verändern müssen, sondern wie schnell wir Menschen emotional, finanziell und politisch mitnehmen. 

Wollt ihr mitdiskutieren? Sabine Röltgen – Finanzexpertin und Aktiencoach – ist dabei. 

Wir freuen uns auf Euch 
Claudia + Sabine 
PS: Auf unserer Seite EWMD-Society.org steht noch mehr und auch die Links dazu. Unter Nachschlag schauen.  

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